Musik

Preußische Brillanz: Der Konzertsaal der UdK Berlin im Fokus

Der UdK Berlin Konzertsaal in der Hardenbergstraße — Architektur, Akustik und kulturelle Geschichte eines unterschätzten Berliner Konzertorts.

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Von Martin Mosebach · Musik-, Literatur- & Gesellschaftskritik (Feuilleton; alle drei Rubriken)

Der UdK Berlin Konzertsaal in der Hardenbergstraße ist kein Ort, den man beiläufig betritt. Er verlangt Aufmerksamkeit — als architektonisches Dokument der Nachkriegsmoderne ebenso wie als akustischer Raum, der Generationen von Musikern geformt und Berlins Konzertleben mitgeprägt hat. Wer sich die Zeit nimmt, ihn zu verstehen, begreift auch etwas über die Stadt, die ihn umgibt: ihre Risse, ihre Neustarts, ihre ungebrochene Neigung zur Überwältigung.

Die Architektur der Nachkriegsmoderne: Paul Baumgartens Vision

Berlin 1955. Die Wunden des Krieges klaffen noch in jedem zweiten Häuserblock, und dennoch entsteht an der Hardenbergstraße ein Gebäude, das nicht Provisorium sein will, sondern Bestand — und das auf seine Weise sogar Anspruch auf Schönheit erhebt. Der Architekt Paul Baumgarten, einer der prägenden Namen der westdeutschen Nachkriegsarchitektur, erhielt den Auftrag, die damalige Hochschule für Musik als Lehr- und Aufführungsstätte neu zu errichten. Das Ergebnis: ein Komplex, der die Strenge der Moderne mit einer diskreten Eleganz verbindet, die man im Rückblick fast preußisch nennen möchte — zweckgebunden bis ins letzte Detail, aber nie kalt.

Baumgarten war kein Romantiker des Betons. Seine Formensprache folgte dem Primat der Funktion, aber er verstand Funktion weit: Ein Konzertsaal funktioniert nicht nur, wenn er technisch tadellos ist. Er muss eine Haltung einnehmen. Der Baukörper an der Hardenbergstraße tut das. Die gegliederte Fassade, die zurückhaltende Materialwahl, die klare Schichtung der Räume von Foyer zu Zuschauerraum zu Bühne — all das ist keine Verlegenheitslösung, sondern ein durchdachtes architektonisches Argument. Man könnte es lesen als Antwort auf die barocke Überfülle des wilhelminischen Berlin: weniger Geste, mehr Substanz.

Die Hardenbergstraße selbst verläuft als kulturelle Achse durch das Herz des früheren Westberlin — Philharmonie, Staatsbibliothek, Universität der Künste dicht an dicht. Wer den Konzertsaal der UdK Berlin in diesem städtebaulichen Zusammenhang betrachtet, erkennt, dass Baumgartens Bau nicht zufällig hier steht. Er ist Teil einer Haltung: dass Bildung, Kunst und öffentliches Leben zusammengehören und architektonisch sichtbar gemacht werden sollen. Diesen Geist teilt er mit den großen Bauten der Epoche der Klassik, auch wenn die Mittel des 20. Jahrhunderts andere sind.

Akustische Transformation: Der Klang des Großen Konzertsaals

Architektur lässt sich beschreiben. Akustik muss man erleben — und wer den Großen Konzertsaal der UdK Berlin zum ersten Mal betritt, erlebt zunächst eine Art kalkulierter Nüchternheit: kein Stuck, kein Goldornament, kein Bombast. Stattdessen Holzvertäfelungen, Wandflächen in bestimmten Winkeln, eine Decke, die den Schall nicht schluckt, sondern ordnet. Genau das ist das Geheimnis.

Der Saal fasst rund 1.300 Personen und wurde in den 1990er-Jahren akustisch überarbeitet — ein Eingriff, der von dem Unternehmen Moll Akustik geplant und durchgeführt wurde. Die Aufgabe war delikat: Ein Raum, der auf symphonische Körperfülle ausgelegt ist, sollte auch für Kammermusik, Gesangsabende und zeitgenössische Musik taugen, ohne seinen Charakter zu verlieren. Das ist kein triviales akustisches Problem. Nachhallzeiten, Direktschall, Diffusität — diese Parameter lassen sich nicht für jedes Repertoire gleichzeitig optimieren; es sind immer Kompromisse, die einen bestimmten Klangtyp priorisieren.

Das Ergebnis der Überarbeitung ist ein Saal, der symphonisches Spiel trägt, ohne zu hallend zu sein, und Soloabende ermöglicht, ohne dass jede Zwischenpause in einem akustischen Vakuum versickert. Die Holzflächen dienen nicht der Dekoration, sondern der Absorption und Reflektion in einem genau kalibrierten Verhältnis. Wer den Konzertsaal von Schloss Elmau kennt — jenen intimen, fast sakralen Raum im bayerischen Hochtal —, bemerkt sofort den Unterschied: Dort dient die Architektur der Stille, hier dient sie der Entfaltung. Zwei völlig verschiedene Hörphilosophien, beide legitim, keine der anderen überlegen.

Kapazität Großer Konzertsaal: ca. 1.300 Plätze — Akustische Überarbeitung: 1990er-Jahre — Architekt: Paul Baumgarten — Adresse: Hardenbergstraße 33, Berlin-Charlottenburg

Bemerkenswert ist, wie der Konzertsaal der UdK Berlin — anders als viele Säle seiner Generation — eine gewisse Universalität bewahrt hat. Er wurde nicht für ein einziges Repertoire gebaut und klingt entsprechend: nicht perfekt für alles, aber gut genug für vieles, und in manchen Momenten — bei einem großen Orchesterklang, der den Raum füllt, ohne ihn zu überwältigen — tatsächlich beeindruckend.

Vom Philharmonischen Erbe zum Experimentierraum

Die Geschichte des Konzertsaals der UdK Berlin ist nicht von der Geschichte der Berliner Philharmoniker zu trennen — jedenfalls nicht vollständig. Nach der Zerstörung der alten Philharmonie am Bernburger Straße im Zweiten Weltkrieg und vor der Eröffnung des neuen Hauses am Kemperplatz 1963 nutzten die Philharmoniker eine Reihe von Berliner Sälen für ihre Konzerte, darunter auch das Haus an der Hardenbergstraße. Das verleiht dem Ort eine Weihe, die über seinen Lehrauftrag hinausgeht.

Heute ist der UdK-Konzertsaal beides: Abschlusskonzert-Podium für Studenten des Instituts und Bühne für Gastorchester, Kammermusikreihen, Neue-Musik-Programme und öffentliche Veranstaltungen. Diese Doppelrolle ist nicht ohne Spannung. Ein Konzertsaal, der gleichzeitig Übungsraum für die Nächste Generation und Aufführungsort für professionelle Ensembles sein soll, muss einen Spagat leisten — zwischen pädagogischer Offenheit und künstlerischem Anspruch. Dass dieser Spagat gelingt, liegt nicht zuletzt an der institutionellen Stärke der UdK selbst.

Die Veranstaltungen im Konzertsaal der UdK Berlin reichen von Orchesterkonzerten der universitätseigenen Klangkörper über Meisterkurse internationaler Solisten bis zu Produktionen des Jazz-Instituts. Das macht den Saal zu einem der vielseitigsten — und zugleich unterschätztesten — Konzertorte Berlins. Wer die großen Häuser kennt und noch einen sucht, der weniger auf Hochglanz poliert ist, aber dafür ehrlicher klingt und mehr zeigt, findet hier einen Ort, der die Tradition des Kammerorchesters ebenso würdigt wie das experimentelle Randprogramm.

Intimität und Exzellenz: Der Joseph-Joachim-Konzertsaal

Neben dem Großen Konzertsaal besitzt die UdK Berlin einen zweiten Aufführungsraum, der in seiner Wirkung fast das Gegenteil darstellt: den Joseph-Joachim-Konzertsaal. Benannt nach dem ungarisch-deutschen Violinisten und Pädagogen Joseph Joachim, der 1868 die Vorläuferinstitution der heutigen UdK mitgründete und als einer der bedeutendsten Geiger des 19. Jahrhunderts gilt, bietet dieser Saal Platz für rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Was den Joseph-Joachim-Konzertsaal auszeichnet, ist genau das, was dem großen Saal fehlt: unmittelbare Nähe. Die akustischen Verhältnisse begünstigen die Intimität des Kammermusikerlebnisses — der Direktschall überwiegt, die Reflektion ist kürzer, das Ergebnis ist ein Klangbild, das den einzelnen Ton, die einzelne Phrase, das einzelne Instrument mit einer Präzision zeichnet, die im großen Saal so nicht möglich ist. Streichquartette klingen hier anders als irgendwo sonst in Berlin — direkter, schärfer konturiert, weniger von atmosphärischem Hall eingehüllt.

Zugleich ist der Joseph-Joachim-Saal ein Ort mit historischer Bedeutung für den Berliner Konzertbetrieb. Joachims pädagogisches Erbe — sein Insistieren auf einer Verbindung aus technischer Meisterschaft und musikalischer Substanz — ist in der Haltung des Hauses noch immer spürbar. Es ist kein Zufall, dass die UdK diesen Saal nach ihm benannt hat. In einem berlin konzertsaal wie diesem treffen institutionelle Geschichte und gelebte Praxis aufeinander: Studierende spielen heute in einem Raum, der nach einem Mann benannt ist, der die Idee des Künstler-Pädagogen für die deutsche Musikkultur einst formuliert hat.

Der Joseph-Joachim-Konzertsaal klingt, als ob der Raum selbst zuhört — eine Dichte der Aufmerksamkeit, die man in großen Sälen vergeblich sucht.

Das Foyer als Denkmal der kulturellen Erneuerung

Konzerthäuser werden an ihren Sälen gemessen, aber oft vergisst man die Räume davor — die Schwellenbereiche, die den Übergang vom Alltag in die konzentrierte Aufmerksamkeit des Konzerterlebnisses bereiten. Das Foyer des UdK-Konzertsaals ist kein opulentes Schaufoyer nach dem Vorbild der großen Opernhäuser. Es ist, im Geiste Baumgartens, sachlich und klar — aber nicht gleichgültig.

Die Qualität dieser Vorräume zeigt sich weniger im einzelnen architektonischen Detail als in ihrer Wirkung über die Zeit: Generationen von Studierenden haben hier ihre erste Nervosität vor dem Auftritt verarbeitet, Lehrerinnen haben hier mit Schülerinnen debattiert, Komponisten haben hier Konzertprogramme studiert, Kritiker — oder zumindest solche, die sich dafür hielten — ihre Urteile halbgar formuliert, bevor sie sie in die Tasten schlugen. Das Foyer ist ein sozialer Raum, der die Institution verkörpert: nicht feierlich-distanziert wie ein Museum, sondern lebendig und durchlässig.

In diesem Sinne ist das Foyer tatsächlich ein Denkmal der kulturellen Erneuerung — nicht der Westberliner Selbstdarstellung der Nachkriegsmoderne (dafür war die Philharmonie am Kemperplatz zuständig), sondern der stillen, täglichen Arbeit an der Kunst. Gerade das macht den Konzertsaal der UdK Berlin zu einem Ort, der mehr verdient als die sporadische Aufmerksamkeit, die ihm zukommt. Er ist kein Skandal und kein Triumph. Er ist solide, durchdacht, und gelegentlich — wenn alles stimmt — großartig.

Häufige Fragen (FAQ)

Häufige Fragen

Wo befindet sich der Konzertsaal der UdK Berlin?
Der Konzertsaal der Universität der Künste Berlin befindet sich in der Hardenbergstraße 33 in Berlin-Charlottenburg, im Herzen des früheren Westberlins, nahe der Philharmonie und der Staatsbibliothek.
Wie viele Sitzplätze bietet der große Konzertsaal der UdK?
Der Große Konzertsaal der UdK Berlin fasst rund 1.300 Personen und wurde in den 1990er-Jahren akustisch überarbeitet, um symphonische wie kammermusikalische Programme zu ermöglichen.
Wer war der Architekt des UdK-Konzertsaals in der Hardenbergstraße?
Der Konzertsaalkomplex an der Hardenbergstraße wurde von Paul Baumgarten entworfen, einem der bedeutenden Architekten der westdeutschen Nachkriegsmoderne, und in den 1950er-Jahren errichtet.
Welche akustischen Besonderheiten zeichnen den Joseph-Joachim-Saal aus?
Der Joseph-Joachim-Konzertsaal bietet Platz für rund 200 Zuhörer und ist auf Kammermusik ausgerichtet: Der Direktschall überwiegt, die Nachhallzeit ist kürzer, und einzelne Instrumente zeichnen sich mit großer klanglicher Präzision ab.
Finden im Konzertsaal der UdK auch öffentliche Veranstaltungen statt?
Ja, der Konzertsaal der UdK Berlin ist nicht nur Lehrort, sondern auch für öffentliche Konzerte zugänglich — darunter Orchesterabende, Kammermusikrunden, Neue-Musik-Programme und Meisterkurse internationaler Solisten.
Welche Rolle spielte der Saal für die Berliner Philharmoniker nach dem Krieg?
Nach der Zerstörung ihrer alten Spielstätte und vor der Eröffnung des neuen Philharmonie-Gebäudes 1963 nutzten die Berliner Philharmoniker verschiedene Berliner Säle, darunter auch das Haus an der Hardenbergstraße — was dem Ort eine besondere historische Tiefe verleiht.